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Die „FAZ“ meldet online, dass die Gesellschafter des „Spiegel“ sich auf einen neuen Chefredakteur geeinigt haben. Der „Spiegel“ ist ein besonderes Biotop. Noch immer. Da gibt es viele große Egos, viele alte Pfründe, viele Haifische. Und nebenbei werden auch noch ein Magazin und eine Internet-Seite gemacht.

All dies soll künftig einer leiten, mit dem kaum jemand gerechnet hat: Claus Kleber. Sagt zumindest Faz.net. Ein reinrassiger TV- und Hörfunk-Mann. Ein Moderator in jüngster Zeit, weniger einer, der journalistisch tätig ist.

Welche Qualifikation er nun für seine neue Position mitbringen soll, ist mir schleierhaft. Er hat keine Magazin-Erfahrung, keine Führungserfahrung, arbeitete 12 Jahre lang als Korrespondent, also eher kleingruppig denn großredaktionig. 2003 dann kam er zurück nach Deutschland – als Moderator, also als Ableser von Texten.

Eine Interpretation der Entscheidung fällt schwer. Am ehesten kommt mir in den Sinn: Da hat sich die Belegschaft einen gesucht, der ihr nicht weh tut. Der sich erstmal einarbeiten muss, nicht direkt auf den Tisch haut. Es riecht schwer nach einer Wahl, die alte Pfründe sichern soll, nicht neue Ufer erkunden.


Kommentare


bosch 7. Dezember 2007 um 15:35

Oh Gott, den Mitarbeitern ist wirklich nicht zu helfen. Das sind aber klassische selbstgemachte Leiden.

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Jochen Hoff 7. Dezember 2007 um 15:56

Claus Kleber ist doch eine gute Wahl. Mohn/Bertelsmann braucht als führende Kraft doch nur jemanden der von Zetteln ablesen und gehorsam vortragen kann. Die hatten ja schon bei Aust ein Telefon ohne Sprechmuschel installiert, das ursprünglich mal Honecker mit dem Kreml verband.

Sowohl bei Mohn/Bertelsmann wie auch bei den ehemaligen Sowjetführern wurde und wird auf Befehle keine Antwort erwartet.

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martin 7. Dezember 2007 um 17:16

ich bin mir nicht sicher, ob ein/e moderator/in bei \“heute\“ oder \“tagesthemen\“ lediglich blattableser ist. wie ich höre, schreiben einige sogar ihr prompter-texte selbst (die nach zensur durch red.konf. dann freigegeben werden).

dass einem clever kleber nun wirklich nicht als aust-nachfolger auf der zunge liegt – okay, da haben sie natürlich recht. bzw, man muss dann ja fast schon fragen: kleber? wieso kleber? gibts denn keinen anderen?

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K.-H. 7. Dezember 2007 um 17:46

Großredaktionig ist eine famose Wortschöpfung, Herr Knüwer.
Aber es ist was dran.

Kleber dürfte es nicht leicht haben mit den alten Hasen fast muffig-hanseatischen Formats und den ehrgeizigen Springern der neuen Generation.

Den Spiegel zu steuern, dazu gehört neben Fachkompetenz auch Kenntnis der Interna.

Vor allem aber: Rühm Hart und Klaar Kimming.

Wenn Kleber das richtig versteht, kann es auch klappen.

Eine Chance hat er verdient – zumal er nicht festgelegt scheint, wie manch Konkurrent.

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Michael Körte 7. Dezember 2007 um 18:25

Keine Führungserfahrung? Immerhin ist Kleber nicht nur Moderator, sondern auch Redaktionsleiter des heute-journals.

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Sascha Stoltenow 7. Dezember 2007 um 19:19

Bei aller Liebe und auch wen diese Entscheidung noch nicht bestätigt ist, es kann auch einem Print-Journalisten und Blogger nicht schaden, das ZDF-Programm mal außerhalb der gerontokratischen Schiene mal aufmerksam zu verfolgen. Dann sieht man nämlich exzellente Beiträge, gemacht u.a. von Claus Kleber, oder auch Marietta Slomka, also der heute-journal Riege. Das sind beides gute Journalisten und Autoren, also keine Blattableser. Zugegeben, das kriegt man nicht immer mit in Virtualien und Düsseldorf;-) Und wenn es denn wirklich so kommt, wäre das mit Blick auf die zunehmende Bewegtbildisierung sicher nicht verkehrt. Und ganz zum Schluß: was war der vielgelobte Herr Aust, bevor er SPIEGEL-Chef wurde: richtig, Geschäftsführer von Spiegel TV, also auch Fernsehen. So geht das mit dem Leid-Medium.

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Harald 7. Dezember 2007 um 21:33

Vielleicht will der Spiegel ja sein Web- und Fernsehangebot ausweiten und braucht dazu einen Mann mit entsprechenden Kompetenzen. Bei Premiere haben sie sich schon einen kompletten Kanal gesichert. Und Gundula Gause kann dann ja die Notizen-Seite oder den Kulturteil machen 😉

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Frank 8. Dezember 2007 um 11:49

Ich glaube ihr unterschätzt den Mann. Toller Journalist, kluger Kopf. Sollte er es den tatsächlich machen, finde ich die Entscheidung jemanden von außen zu holen gar nicht schlecht. Das hat viele Vorteile.

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Jakov Katz 8. Dezember 2007 um 17:54

Der SPIEGEL könnte seinen »Austismus«, der das Blatt in immer größere Nähe zur Springer-Presse und der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gerückt hat, überwinden, sollte sich Kleber auf seine journalistischen Prinzipien besinnen, die seine Arbeit im Dienste der ARD über Jahrzehnte bestimmten.

Vielleicht gelänge es ihm und der Redaktion, den SPIEGEL wieder zu einer ernst zu nehmenden Stimme im politischen Diskurs zurück zu führen. Unter Aust heißt politische Hintergrundinformation immer nur »mein Gott, (Franz) Walter«. Die»Pythia« von Göttingen hat nie mehr zu bieten, als das, was ein Geschichtslehrer an der Hauptschule auf der Pfanne haben muß, um sich nicht zu blamieren (und natürlich Werbung für sein neuestes Buch.

Wie SPIEGEL und ZDF heute schon zusammenpassen, sieht man an der SPIEGEL-TV Tochter »a + i art and information«, die uns mit Johannes B. Kerner beglückt.

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Frederic Schneider 9. Dezember 2007 um 0:47

Herr Knüwer, diesmal haben Sie sich ein wenig durch Unkenntnis disqualifiziert – im Gegensatz zu manch anderen sehr lesenswerten Beiträgen in diesem Weblog. Eigentlich wurde alles bereits genannt, trotzdem:
a) Claus Kleber hat jahrelange Erfahrungen als Korrespondent, das qualifiziert ihn als Journalisten und hat ihm auch Wissen zur Führung eines Büros vermittelt
b) Ist Claus Kleber nicht nur Moderator beim \“heute journal\“, sondern zugleich auch Redaktionsleiter
c) Macht er auch noch heute Beiträge, die ihm nicht nur zum \“Ableser von Texten\“ gemacht haben, sondern auch zum Autor.

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arboretum 12. Dezember 2007 um 18:53

Claus Kleber bleibt nun lieber doch in Mainz (und darf jetzt bestimmt mehr Reportagereisen machen).

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Lepadonna 12. Februar 2008 um 16:27

Hi
angucken: http://www.wobi.info/?id=xPT87

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